Alte Rose
Heinrich Heine · 1797–1856
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1851
Eine Rosenknospe warSie für die mein Herze glühte;Doch sie wuchs, und wunderbarSchoß sie auf in voller Blüthe.
Ward die schönste Ros’ im Land,Und ich wollt’ die Rose brechen,Doch sie wußte mich pikantMit den Dornen fortzustechen.
Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetztUnd verklatscht von Wind und Regen –Liebster Heinrich bin ich jetzt,Liebend kommt sie mir entgegen.
Heinrich hinten, Heinrich vorn,Klingt es jetzt mit süßen Tönen;Sticht mich jetzt etwa ein Dorn,Ist es an dem Kinn der Schönen.
Allzu hart die Borsten sind,Die des Kinnes Wärzchen zieren –Geh’ in’s Kloster, liebes Kind,Oder lasse dich rasiren.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen. Seite S. 164–165, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Alte Rose“, Fassung 4.645.991 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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