Der klare Herbst
Friedrich Rückert · 1788–1866
25 Zeilen · zuerst gedruckt 1841
Mir gefällt der Herbst, der klare,Weil er ist die Zeit im Jahre,Die im Lebenskreise bist,Alter, du, und ich gewahre,Daß an dir mein Jahr nun ist.Mir gefällt der Herbst, der klare,Weil er spät vom frühen JahreBringt den milden Wiederglanz;Wie ich flecht’ in greise HaareEinen Jugendliederkranz.Mir gefällt der Herbst, der klare,Weil er feierlich die BahreDer erblichnen Freuden schmückt,Und ich an mir selbst erfahre,Daß die Wehmuth mich beglückt.Mir gefällt der Herbst, der klare,Weil er bringt zu Markt als WaareFrucht, die flücht’ge Blüte war;Wie ich meinem Winter spare,Was mein Sommer heiß gebar.Mir gefällt der Herbst, der klare,Der das beste Korn vom JahreAusstreut für die künft’ge Zeit;Wie ich Keim’ in mir bewahre,Reifend zur Unsterblichkeit.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 621-622, Johann David Sauerländer, Frankfurt am Main, 1841
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der klare Herbst“, Fassung 4.467.063 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friedrich Rückert starb 1866; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1936 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118603817 der Deutschen Nationalbibliothek.
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