Das zärtliche Mädchen
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
36 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1780
O willkommen, stille Hayne!Daß in eurer DunkelheitIch um meinen Fernen weine,Thränen heisser Zärtlichkeit.
Hier, wo einst in Wonnestunden,Hingegossen auf das Gras,Ich von seinem Arm umwunden,Glücklich auch die Welt vergaß.
Wo, bey sanftem Händedrücken,Ich mit ihm durchs Dunkel gieng,Unterdeß an meinen BlickenFeuervoll der seine hieng.
O da lispelt’ er bescheidenIn mein Ohr der Liebe Schwur;Und es schien an unsern FreudenTheil zu nehmen die Natur;
Denn es lispelten die QuelleUnd die Abendwinde mit,Frischer war die Rasenstelle,Jedes Blümchen aufgeblüht.
Aber jetzo klagt die Quelle,Seufzt der Abendwind um ihn,Auf die welke RasenstelleSinken matt die Blumen hin.
Dennoch, wenn ein rauschend BlättchenDiese leisen Seufzer stört,Glaubt sein liebesieches Mädchen,Daß es seinen Fußtritt hört.
O daß es nicht mehr sich täusche,Komm, es ladet dich der Hayn,Dieser Quelle Klaggeräusche,Diese kranken Blumen ein.
Ueber Felder, über KlippenWalle, Flüchtiger, dein Fuß;Komm, schon glüht auf meinen LippenDir der Liebe Freudenkuß.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 44–45, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das zärtliche Mädchen“, Fassung 2.967.574 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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