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Versbuch

Ich denke Dein

Friederike Brun · 17651835

33 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1795

(1792.)

Ich denke dein, wenn sich im BlütenregenDer Frühling mahlt;Und wenn des Sommers mild gereifter SeegenIn Aehren stralt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönendGen Himmel hebt,Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnendZurückebebt.

Dein denk’ ich, wenn der junge Tag sich goldenDer See enthebt,An neugebornen zarten BlumendoldenDer Frühthau schwebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend röthendIm Hain verliert,Und Philomelens Klage leise flötendDie Seele rührt.

Dein denk’ ich, wenn im bunten BlätterkranzeDer Herbst uns grüßt;Dein, wenn, in seines Schneegewandes Glanze,Das Jahr sich schließt.

Am Hainquell, ach! im leichten ErlenschattenWinkt mir dein Bild!Schnell ist der Wald, schnell sind die BlumenmattenMit Glanz erfüllt.

Beim trüben Lampenschein, in bittern Leiden,Gedacht’ ich dein!Die bange Seele flehte nah’ am Scheiden:„Gedenke mein!„

Ich denke dein, bis wehende ZypressenMein Grab umziehn;Und selbst in Lethe’s Strom soll unvergessenDein Name blühn!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 44–45, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
Digitalisat
de.wikisource.org — „Ich denke Dein“, Fassung 1.101.483 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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