Zum Inhalt springen
Versbuch

Mailied

Friederike Brun · 17651835

56 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1795

Feier der Lebenden und Todten.

(Mit einer Composition von Hrn. Kapellmeister Schulze).

Wonne schwebet,Lächelt überall;Schwebt am lichtbegrünten Hügel,Lächelt aus der Fluten Spiegel.Wonne schwebet,Lächelt überall!

Liebe waltet,Wirket überall;In des Haines kühlem Raume,In dem weissen Blütenbaume.Liebe waltet,Wirket überall!

Unschuld wallet,Unsichtbar, doch nah’!Wallt auf hohem Buchenwipfel,Weilt im Nestchen unterm Gipfel.Unschuld walletUnsichtbar, doch nah’!

Freude tönet,Jauchzet fern und nah’!Auf dem dichtbeblümten RasenHüpfen Kindlein, Lämmer grasen.Freude tönet,Jauchzet fern und nah’!

Auf! und windetKränze, Mägdelein!Unschuld, Wonn’ und Liebe walten!Seht die Blümlein sich entfalten!Auf und windetKränze, Mägdelein!

Hüpfend schwingetEuch im Maientanz!Horch! der Kukuk, fern am Weiher,Ruft dem Sommer! FrühlingsfeierWährt – ach! währetWie der Blütenkranz!

Wehmut dämmertTief im Blumenkelch!Seht sie in des Thaues Perlen!Hört sie klagen unter Erlen!Wehmut dämmertTief im Blumenkelch!

Töne leiser,Sanfter Freuden Chor!Geister schweben in den Lüften –Geister wallen mit den Düften –Töne leiser,Sanfter Freuden Chor!

Frühling blühetAuf der Todtengruft!Nur dem Tod’ entkeimt das Leben.Seht die Schmetterlinge schweben!Hofnung waltetOb der Todtengruft!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 33–36, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
Digitalisat
de.wikisource.org — „Mailied (Friederike Brun)“, Fassung 1.101.477 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Friederike Brun

Alle Gedichte von Friederike Brun ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Aufklärung

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.