Kronenburg am Sunde
Friederike Brun · 1765–1835
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1795
Des Abends Purpur sinkt in den Hain herab,Am Meeresstrand steht herrschend die Festung da;Dumpf rollt die Wog’ an des Ufers Kiesel;Kulla steht schaurig im Duft der Ferne .
Der Dolen Heer umschwärmet den grauen Thurm,Laut schreiend streift die Möve der Wogen Haupt;Der Sturm verhallt in den Felsengängen,Rasselnder Ketten Getön erklirret.
Die Dämmrung schwebet leis’ auf des Meeres Schooß.Die Woge thürmt sich hoch ans Gestad’ empor –Es sinkt die Wolke – das Meer steigt brausend;Trübe verlischt der Gestirne Fackel.
Des Pharos Flamm’ entglimmet auf Kullas Höh’;Sie wehet schwankend unter des Sturms Geheul,Das lauter tobt und des bangen SchiffersAengstlichen Flehens verhöhnend spottet.
Das Seegel reißt, und krachend entstürzt der Mast;Es siedet das Meer und gürtet mit Schaum den Fels;Das Schiff zerschellt an der schroffen Klippe –Wehklag’ ertönt in des Dunkels Grausen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 100–101, Zürich, 1795
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kronenburg am Sunde“, Fassung 1.101.519 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.
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