Der Lehrer von Mezzodur
Frank Wedekind · 1864–1918
34 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1905
In Mezzodur war ein Lehrer,Sigmund Zus war er genannt,Als ein braver Mann geachtet,In der Gegend wohlbekannt.
Er war Gatte und auch VaterVon drei Kindern, noch so klein;Leider lebte er nicht glücklich,Denn die Eh’ ward ihm zur Pein.
Ein Verdacht regt sich im Herzen,Seine Frau sei ungetreu,Daß ein Andrer, nicht er selber,Vater seiner Kinder sei.
Und von Eifersucht gepeinigtLebte fürder er dem Wahn;Als er sich betrogen glaubte,Reifte leider rasch der Plan.
Eines Nachts zwang er die Gattin,Daß sie ein Bekenntnis schrieb,Das er selber ihr diktierteUnd ihr Todesurteil blieb.
Als sie drin den Vater nannteIhrer Kinder – ach! o Gott! –Schoß er die drei armen KleinenIn dem Bett mit Kugeln tot.
Darauf hat er sie gezwungen,Sich zu legen auf das Bett,Hat sie dann auch umgebrungen,Wie sie ihn auch angefleht.
Er legt’ nun selber Hand an sichUnd endete dann fürchterlich.Das Dienstmädchen, das zugegen war,Mußte leuchten mit dem LichtUnd erzählt’s mit Grauen und EntsetzenDem Gericht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Lehrer von Mezzodur“, Fassung 3.779.924 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.
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