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Versbuch

Michel Angelo und seine Statuen

Conrad Ferdinand Meyer · 18251898

18 Zeilen · zuerst gedruckt 1882

Du öffnest, Sklave, deinen Mund,Doch stöhnst du nicht. Die Lippe schweigt.Nicht drückt, Gedankenvoller, dichDie Bürde der behelmten Stirn.Du packst mit nerv’ger Hand den Bart,Doch springst du, Moses, nicht empor.Maria mit dem todten Sohn,Du weinst, doch rinnt die Thräne nicht.Ihr stellt des Leids Geberde dar,Ihr meine Kinder, ohne Leid!So sieht der freigewordne GeistDes Lebens überwundne Qual.Was martert die lebend’ge Brust,Beseligt und ergötzt im Stein.Den Augenblick verewigt ihr,Und sterbt ihr, sterbt ihr ohne Tod.Im Schilfe wartet Charon mein,Der pfeifend sich die Zeit vertreibt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 281, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
Digitalisat
de.wikisource.org — „Michel Angelo und seine Statuen“, Fassung 2.085.820 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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