Zum Inhalt springen
Versbuch

Nach einem Niederländer

Conrad Ferdinand Meyer · 18251898

17 Zeilen · zuerst gedruckt 1882

Der Meister malt ein kleines zartes Bild,Zurückgelehnt, beschaut er’s liebevoll.Es pocht. „Herein.“ Ein vlämischer Junker ist’sMit einer drallen, aufgedonnerten Dirn,Der vor Gesundheit fast die Wange birst.Sie rauscht von Seide, flimmert von Geschmeid.„Wir haben’s eilig, lieber Meister. Wißt,Ein wackrer Schelm stiehlt mir das Töchterlein.Morgen ist Hochzeit. Malet mir mein Kind!“„Zur Stunde, Herr! Nur noch den Pinselstrich!“Sie treten lustig vor die Staffelei:Auf einem blanken Kissen schlummernd liegtEin feiner Mädchenkopf. Der Meister setztDes Blumenkranzes tiefste Knospe nochAuf die verblichne Stirn mit leichter Hand.– „Nach der Natur?“ – „Nach der Natur. Mein Kind.Gestern beerdigt. Herr, ich bin zu Dienst.“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 121, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
Digitalisat
de.wikisource.org — „Nach einem Niederländer“, Fassung 2.085.829 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Conrad Ferdinand Meyer

Alle Gedichte von Conrad Ferdinand Meyer ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Realismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.