Hussens Kerker
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
28 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1882
Es geht mit mir zu Ende,Mein Sach und Spruch ist schonHoch über MenschenhändeGerückt vor Gottes Thron,Schon schwebt auf einer Wolke,Umringt von seinem Volke,Entgegen mir des Menschen Sohn.
Den Kerker will ich preisen,Der Kerker, der ist gut!Das Fensterkreuz von EisenBlickt auf die frische FlutUnd zwischen seinen StäbenSeh’ ich ein Segel schweben,Darob im Blau die Firne ruht.
Wie nah die Flut ich fühle,Als läg’ ich drein versenkt,Mit wundersamer KühleWird mir der Leib getränkt –Auch seh’ ich eine TraubeMit einem rothen Laube,Die tief herab ins Fenster hängt.
Es ist die Zeit zu feiern!Es kommt die große Ruh!Dort lenkt ein Zug von ReihernDem ew’gen Lenze zu,Sie wissen Pfad und Stege,Sie kennen ihre Wege –Was, meine Seele, fürchtest du?
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 303–304, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Hussens Kerker“, Fassung 2.085.773 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.