La Röse
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1882
Als der Bernina FelsenthorDurchdonnerte der WagenUnd wir im Süden sahn emporDie Muschelberge ragen,Blies schmetternd auf dem Rößlein vornDer in der Lederhose.„Wen grüßest du mit deinem Horn?“„Die Rose, Herr, die Rose!“
Mit flachem Dach ein Säulenhaus,Das erste welsche Bildniß,Schaut Röse weinumwunden ausVerworr’ner Gartenwildniß –Es ist, als ob des Baches FlutMelod’scher schon ertose,Hell brennt in AbendsonnenglutDie Rose, ja, die Rose.
Nun, Herz, beginnt die WonnezeitAuf Wegen und auf Stegen,Mir strömt ein Hauch von UeppigkeitUnd ew’gem Lenz entgegen –Mir gaukelt um die helle StirnEin Falter mit Gekose –Den Wein bringt eine junge Dirn,Die Rose, ja, die Rose.
Noch einmal darf in südlich LandIch Nordgeborner wallen,Vertauschen meine FelsenwandMit weißen Marmorhallen.Gegrüßt, Italien, Licht und Luft!Ich preise meine Loose!Du bist an unsrer Erde BrustDie Rose, ja die Rose!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 112–113, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „La Röse“, Fassung 2.366.429 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
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