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Versbuch

Die Zwingburg

Conrad Ferdinand Meyer · 18251898

24 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1882

Gebrochen ist der alte Twing,Ringsum ergrünt sein Mauerring,Der Eppich schwankt im Fenster,Versunken in der Erde SchooßTief unter das besonnte MoosSind Ritter und Gespenster.

Wo durch das tiefgewölbte ThorDie zorn’ge Fehde schritt hervorUnd ließ die Hörner schmettern,Da hat sich, durftig eingeengt,Ein Zicklein ans Gesträuch gehängtUnd nascht von jungen Blättern.

Wo wild verträumt Frau Minne stund,Zerrann auf blauem HimmelsgrundDer kecke Bau des Erkers.Wo tief der stumme Haß gegrollt,Liegt weich, ins hohe Gras gerollt,Ein feuchter Stein des Kerkers.

Und wo den Teich vom HügelhangHerab die trotz’ge Feste zwangEin finster Bild zu spiegeln,Da rudert, von der Flut benetzt,Der Burg zerstörtes Wappen jetzt:Ein Schwan mit Silberflügeln.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 108, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Zwingburg“, Fassung 3.581.309 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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