Der sterbende Cromwell
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
28 Zeilen · zuerst gedruckt 1882
Vor der Königsburg in nächt'ger StundeKnickt der Tod die Eichen in die Runde,Drinnen sucht er dann ein zäher LebenAus den Wurzeln allgemach zu heben -Whitehall ist Cromwell's Sterbestätte,Ein Waldenser kniet an seinem Bette!„Herr, ich komm’, ein Kind des welschen Thales,Wo Du bist der Schutzgott jedes Mahles,Unsern Dank auf Deine Knie zu legen,Leben, Cromwell, mußt Du unsertwegen!Rom befehdet uns mit seinen Pfaffen,Unser Herzog rüstet frevle WaffenGegen unser Thal, den lautern GlaubenWill er oder uns das Leben rauben!Doch Du sahst in Deinen SchmerzensnächtenUns gefoltert schon von HenkersknechtenUnd Du hobest Dich in FieberschwüleAuf den Arm gestützt empor vom PfühleUnd Du drohtest über Meer gewendet,Pfaffen, Henker blieben ungesendet -Wenn wir, Cromwell, Deine Söhne wären,Herber könnten wir Dich nicht entbehren!Deine bangen Athemzüge gebenUns den Odem, fristen uns das Leben.Dennoch - Wie Du leidest, Herr - unsäglich -Deine Qualen werden unerträglich? -Dennoch - ob uns Hartes sei beschieden -Friedestifter, fahre hin in Frieden!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 331, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der sterbende Cromwell“, Fassung 3.445.380 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
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