Das Goldtuch
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1882
„Ihr Mägde, schaut, was ihr im Schreine habt!Nicht darfst du mir von hinnen unbegabt,Mein blonder Enkel, der der Ahne botMit priesterlichen Händen Gott im Brot!“
Mathilde sprach’s die Fürstin, sterbeschwach.Richburg die Schaffnerin seufzt’ Weh und Ach!„Hin gabst den Armen alles du! AlleinDein goldgewoben Bahrtuch liegt im Schrein!“
– „Die goldne Decke! Gebt dem Bischof die!Brauthemd und Bahrtuch fehlt den Frauen nie!“ …Der Jüngling zaudert … „Nimm die Decke! Kränk’Mich nicht!“ Er nimmt und zieht mit dem Geschenk.
Sie athmet aus. Es läutet lang und schönMit allen Glocken von des Münsters Höhn.Was wandert dort im letzten Sonnenblick?Mathildens Bahrtuch kehrt zu ihr zurück.
Abspringt ein Reiter, der den Thurm ersteigt.„Den Bischof warf das Roß. Ein Todter schweigt.Wir bringen ihn! Verdoppelt das Geläut!Ihr Glöckner, zwier bekommt ihr Löhnung heut!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 262, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Goldtuch“, Fassung 2.228.677 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
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