Hinter dem großen Spiegelfenster
Alfred Henschke · 1890–1928
18 Zeilen · zuerst gedruckt 1913
Hinter dem großen Spiegelfenster des CafesSitz ich und sehe heiß auf das Straßenpflaster,Suche im Treiben der Farben und Körper Heilung meines sentimentalen Weh’s,Sehe viele Frauen, Fremde, bunte Offiziere, Gauner, Japaner, sogar einen Negermaster.Alle blicken sie zu mir und haben Sehnsucht nach der Musik im Innern,Wollen träumerisch- und sanfter Töne sich erinnern.Aber ich, an meinen Stuhl gebannt und gebrannt,Starre, staune nach draußen unverwandt,Daß jemand komme, freiwillig, nicht gedrängt,Ein blondes Mädchen eine braune DirneIn rosa, gelber, violetter TailleOder meinetwegen eine dicke RentierkanailleMit schmalzigem, verfettetem Hirne –Nur daß er mir für fünf Minuten seine Gegenwart schenkt!Ich bin so einsam! Einsamer noch macht mich die süße OperetteO läg ich irgendwo in dunkler Nacht,Ein Kind, in einem Kinderbette,Von einer Mutter zart zur Ruh gebracht
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!, S. 66, Erich Reiß Verlag, Berlin, 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Hinter dem großen Spiegelfenster“, Fassung 1.103.340 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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