Zum Inhalt springen
Versbuch

Ich habe ja ein Kind

Alfred Henschke · 18901928

20 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1913

Ich habe ja ein Kind,Nun kann ich nicht mehr sterben,Wenn meine Augen tot und blind,Dann hab’ ich einen Erben.

Alle meine Träume flatternIn meines Kindes Augen wieder mit blauen Flügeln auf,Schießen zwitschernd um seines jungen Turmes sonnengoldnen Knauf,Wenn dumpf schon ferne die Gewitter rattern.

Du wirst mich ganz erfüllen,Und meine Unruh stillen,Mein Kind … du überwindest mein Martyrium.Wenn ich begraben werde,Wirf du die erste Handvoll ErdeAuf meinen Sarg – und dreh dich lachend um.

Geh hin zum neuen Leben,Mehr kann ich dir nicht geben,Als was ich war … und ich war ich.Mein Blut soll in dir singen,In meine Tiefe dringen,Wenn längst sich Wurm auf Wurm in meinen Schädel schlich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!, S. 49, Erich Reiß Verlag, Berlin, 1913
Digitalisat
de.wikisource.org — „Ich habe ja ein Kind“, Fassung 1.103.351 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Alfred Henschke

Alle Gedichte von Alfred Henschke ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.