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Versbuch

Der kleine Mörder

Alfred Henschke · 18901928

17 Zeilen · zuerst gedruckt 1927

Er wußte nicht, warum er so elend warund warum der Himmel an jenem Abend so schwelend war.Sein Schädeldeckel war aufgeklappt und Fliegen setzten sich auf sein rosiges Hirnund leckten daran. Göttliche Gedanken schienen ihn zu durchirr’n.Wenn er das Messer nähme und sich die große Zehe abschnitt?Oder ginge er lieber auf den Abtritt,und spielte mit sich, über den Abfluß geneigt?– da hat sich seine kleine Schwester in der Küche gezeigt.Er hob ihr den Rock hoch und stieß ihr die große Kellein den Schoß, daß sie schrie. Ihn trug die Welledes Abendrotes durch die Wolken hin.Er sah nichts mehr.Er fühlte nichts mehr.Ihn trieb die rote Flut, das rote Meerzu einem uferlosen Ziel.Er fiellächelnd über die kleine Leiche hin.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 20–21, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der kleine Mörder“, Fassung 3.779.401 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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