Der Müller und der Bach
Wilhelm Müller · 1794–1827
35 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1906
Der Müller.Wo ein treues HerzeIn Liebe vergeht.Da welken die LilienAuf jedem Beet.
Da muß in die WolkenDer Vollmond gehn,Damit seine ThränenDie Menschen nicht sehn.
Da halten die EngleinDie Augen sich zu,Und schluchzen und singenDie Seele zu Ruh’.
Der Bach.Und wenn sich die LiebeDem Schmerz entringt,Ein Sternlein, ein neues,Am Himmel erblinkt.
Da springen drei Rosen,Halb roth, halb weiß,Die welken nicht wieder,Aus Dornenreis.
Und die Engelein schneidenDie Flügel sich ab,Und gehn alle MorgenZur Erde hinab.
Der Müller.Ach, Bächlein, liebes Bächlein,Du meinst es so gut:Ach, Bächlein, aber weißt du,Wie Liebe thut?
Ach, unten, da unten,Die kühle Ruh’!Ach, Bächlein, liebes Bächlein,So singe nur zu.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die schöne Müllerin, in: Gedichte von Wilhelm Müller. Vollständige kritische Ausgabe. S. 20-21, B. Behr, Berlin, 1906
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Müller und der Bach“, Fassung 3.436.797 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Müller starb 1827; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1897 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11858524X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.