Die Freunde
Wilhelm Busch · 1832–1908
36 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand,Die gingen immer Hand in Hand,Und selbst in einer HerzensfrageTrat ihre Einigkeit zutage.
Sie liebten beide Nachbars Käthchen,Ein blondgelocktes kleines Mädchen.
Einst sagte die verschmitzte Dirne:Wer holt mir eine Sommerbirne,Recht saftig, aber nicht zu klein?Hernach soll er der Beste sein.
Der Fritz nahm seinen Freund beiseitUnd sprach: Das machen wir zu zweit;Da drüben wohnt der alte Schramm,Der hat den schönsten Birnenstamm;Du steigst hinauf und schüttelst sacht,Ich lese auf und gebe acht.
Gesagt, getan. Sie sind am Ziel.Schon als die erste Birne fiel,Macht Fritz damit sich aus dem Staube,Denn eben schlich aus dunkler Laube,In fester Faust ein spanisch Rohr,Der aufmerksame Schramm hervor.
Auch Ferdinand sah ihn beizeitenUnd tät am Stamm heruntergleitenIn Ängstlichkeit und großer Hast,Doch eh er unten Fuß gefaßt,Begrüßt ihn Schramm bereits mit Streichen,Als wollt er einen Stein erweichen.
Der Ferdinand, voll Schmerz und Hitze,Entfloh und suchte seinen Fritze.
Wie angewurzelt blieb er stehn.Ach hätt er es doch nie gesehn:
Die Käthe hat den Fritz geküßt,Worauf sie eine Birne ißt.
Seit dies geschah, ist FerdinandMit Fritz nicht mehr so gut bekannt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 294, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Freunde“, Fassung 3.506.104 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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