Die Schnecken
Wilhelm Busch · 1832–1908
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Rötlich dämmert es im WestenUnd der laute Tag verklingt,Nur daß auf den höchsten ÄstenLieblich noch die Drossel singt.
Jetzt in dichtbelaubten Hecken,Wo es still verborgen blieb,Rüstet sich das Volk der SchneckenFür den nächtlichen Betrieb.
Tastend streckt sich ihr Gehörne.Schwach nur ist das Augenlicht.Dennoch schon aus weiter FerneWittern sie ihr Leibgericht.
Schleimig, säumig, aber stete,Immer auf dem nächsten Pfad,Finden sie die GartenbeeteMit dem schönsten Kopfsalat.
Hier vereint zu ernsten Dingen,Bis zum Morgensonnenschein,Nagen sie geheim und dringenTief ins grüne Herz hinein.
Darum braucht die Köchin JettchenDieses Kraut nie ohne Arg.Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,Ob sich nichts darin verbarg.
Sie hat Furcht, den Zorn zu weckenIhres lieben gnädgen Herrn.Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,Mag der alte Kerl nicht gern.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 272, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Schnecken“, Fassung 3.779.529 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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