Die Schlacht am Cremmer-Damm
Theodor Fontane · 1819–1898
68 Zeilen in 19 Strophen · zuerst gedruckt 1905
1334.(Nach dem Alt-Pommerschen.)
Und als Herzog Barnim, der vielkleine Mann,Um mit Markgraf Ludwig zu fechten,War bis an den Cremmer-Damm heran,Sprach er zu Rittern und Knechten:
„Das Cremmer Luch ist ein garstig Loch,Und den Feind daraus zu vertreiben,Ich denke, Leute, wir lassen’s nochUnd wollen diesseits bleiben.
Wir schreiben aus eine große Steur,Und wer sich nicht will bequemen,Den zwingen wir mit Wasser und FeurUnd wollen das Vieh ihm nehmen.“
Der Rath gefiel den Pommern allUnd verquer an den beiden EckenGruben sie hastig Graben und Wall,Dahinter sich zu verstecken.
* * *
Markgraf Ludwig aber, der tapfere Held,Drüben sah man ihn reiten,Er dachte, „die Pommern stehen im FeldUnd werden den Damm überschreiten.“
Als aber keiner sich’s unterwand,Ließ er seinen Trompeter kommenUnd sagte: „Nimm deine Trompet in die HandUnd blas’ bis sie’s drüben vernommen.
„Und sage dem Herzog Barnim an,Ich hätte groß Verlangen,Ihn und seine Ritter, Mann für Mann,Hier diesseits zu empfangen.
„Und wenn es hier diesseits ihm nicht behagt,So wollt’ ich ihm versprechen,Und auf dem Luch-Damm unverzagtEine Lanze mit ihm zu brechen.“
Drauf der: er woll’ ihm Rede stehn;Nicht-kommen das dünk’ ihm Sünde,Sie wollten sich treffen und wollten sehn,Wer das Spiel am besten verstünde.
* * *
Da ging es vom Graben den Damm hinauf,Drauf standen dicht die Märker,Die wehrten sich einzeln und zu Hauf,Aber Herzog Barnim war stärker.
Die Märkischen konnten nicht bestahn,Das Luch war ihr Verderben,Und viele mußten da liegen gahnUnd ohne Wunde sterben.
Und mälig wichen sie Schritt für Schritt,Vor Cremmen weiter zu fechten,Die Pommern folgten in festem Tritt,Die Ritter mitsammt den Knechten.
Aber vor Cremmen hielt man anUnd mußte draußen bleiben,Die Märkischen standen da Mann an MannUnd waren nicht zu vertreiben.
Sie schossen hinunter aus Thurm und ThorIn das pommersche Gedränge,Dann drängten sie selber wieder vor,Todte gab es die Menge.
Da sprach Schwerin: „Das thut kein gut,Laßt uns den Damm erfassen,Oder wir müssen unser BlutHier alle vor Cremmen lassen.“
So zogen sie wieder dem Damme zu,Heimwärts ohn’ Schimpf und Schade,Zuletzt ging auch der Krieg zu Ruh,Gott geb uns seine Gnade.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 241–243, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Schlacht am Cremmer-Damm“, Fassung 4.811.175 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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