Die Balinesenfrauen auf Lombok
Theodor Fontane · 1819–1898
34 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Unerhört,Auf Lombok hat man sich empört,Auf der Insel Lombok die BalinesenSind mit Mynheer unzufrieden gewesen.
Und die Mynheers faßt ein Zürnen und Schaudern,„Aus mit dem Brand, ohne Zögern und Zaudern“,Und allerlei Volk, verkracht, verdorben,Wird von Mynheer angeworben,Allerlei Leute mit MausergewehrenSollen die Balinesen bekehren,Vorwärts, ohne Sinn und Plan,Aber auch planlos wird es gethan,Hinterlader arbeitete gut,Und die Männer liegen in ihrem Blut.
Die Männer. Aber groß anzuschaunSind da noch sechszig stolze Fraun,All’ eingeschlossen zu Wehr und TrutzIn eines Buddha-Tempels Schutz.Reichgekleidet, goldgeschmückt,Ihr jüngstes Kind an die Brust gedrückt,Hochaufgericht’t eine jede stand,Den Feind im Auge, den Dolch in der Hand.
Die Kugeln durchschlagen Trepp’ und Dach,„Wozu hier noch warten, feig und schwach?“Und die Thüren auf und hinab ins Thal,Hoch ihr Kind und hoch den Stahl(Am Griffe funkelt der Edelstein)So stürzen sie sich in des Feindes Reihn.Die Hälfte fällt todt, die Hälfte fällt wund,Aber jede will sterben zu dieser Stund,Und die Letzten, in stolzer Todeslust,Stoßen den Dolch sich in die Brust.
Mynheer derweilen, in seinem Kontor,Malt sich christlich Kulturelles vor.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 74–75, 5. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Balinesenfrauen auf Lombok (Fontane)“, Fassung 1.661.140 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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