Die Blumen des Waldes
Theodor Fontane · 1819–1898
25 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1905
(Nach der Schlacht bei Flodden.)
Ich hörte sie singen, wenn morgens sie gingenDie Heerde zu melken, die draußen steht;Nun hör’ ich ihr Wehe, wo immer ich gehe –Die Blumen des Waldes sind abgemäht.
Vorüber das Necken an Wegen und Hecken,Still eine neben der andern geht,Sie können nicht scherzen mit Trauer im Herzen,Und was sie sprechen, ist leises Gebet.
Kein Erntereigen; es schweigen die Geigen,Kein Tänzer, der fröhlich im Tanze sich dreht.Auf Märkten und Messen die Lust ist vergessen –Die Blumen des Waldes sind abgemäht.
Kommt Dämmerstunde, nicht mehr in die RundeDas Haschen und Pfänderspielen geht,In stiller Kammer verbirgt sich ihr Jammer –Die Blumen des Waldes sind abgemäht.
Dahin unsre Kränze! wir zogen zur Grenze,Wo Englands Banner im Winde geweht,Unsre Blumen vom Walde, sie ruhn auf der Halde,Die Blüthe des Landes ist abgemäht.
Ich hörte sie singen, wenn morgens sie gingenDie Heerde zu melken, die draußen steht;Nun klingt ihre Klage von Tage zu Tage:Die Blumen des Waldes sind abgemäht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 446, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Blumen des Waldes“, Fassung 1.661.142 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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