Zum Inhalt springen
Versbuch

Fuchs und Gans

Wilhelm Busch · 18321908

40 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt [1960]

Es war die erste Maiennacht.Kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht.Da hielten, wie es stets der Fall,Die Tiere ihren Frühlingsball.

Die Gans, die gute Adelheid,Fehlt nie bei solcher Festlichkeit.Obgleich man sie nach altem BrauchZu necken pflegt. So heute auch.

Frau Schnabel, nannte sie der Kater,Frau Plattfuß, rief der Ziegenvater;Doch sie, zwar lächelnd aber kühl,Hüllt sich in sanftes Selbstgefühl.

So saß sie denn in ödem SchweigenAllein für sich bei Spiel und Reigen,Bei Freudenlärm und Jubeljux.

Sieh da, zum Schluß hat auch der FuchsSich ungeladen eingedrängelt.Schlau hat er sich herangeschlängelt.

Ihr Diener, säuselt er galant,Wie geht’s der Schönsten in Brabant?Ich küss der gnädgen Frau den Fittich.Ist noch ein Tänzchen frei, so bitt ich.

Sie nickt verschämt: O Herr Baron!Indem so walzen sie auch schon.Wie trippeln die Füße, wie wippeln die SchwänzeIm lustigen Kehraus, dem letzten der Tänze.

Da tönt es vier mit lautem Schlag.Das Fest ist aus. Es naht der Tag. –

Bald drauf, im frühsten Morgenschimmer,Ging Mutter Urschel aus, wie immer,Mit Korb und Sichel, um verstohlenSich etwas fremden Klee zu holen.An einer Hecke bleibt sie stehn:Herrje, was ist denn hier geschehn?Die Füchse, sag ich, soll man rädern.Das sind wahrhaftig Gänsefedern.Ein frisches Ei liegt dicht daneben.Ich bin so frei es aufzuheben.Ach, armes Tier, sprach sie bewegt,Dies Ei hast du vor Angst gelegt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 313-314, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
Digitalisat
de.wikisource.org — „Fuchs und Gans“, Fassung 3.779.366 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Wilhelm Busch

Alle Gedichte von Wilhelm Busch ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Realismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.