Der Kranich
Theodor Fontane · 1819–1898
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1851
Rauh ging der Wind, der Regen troff,Schon war ich naß und kalt;Ich macht’ auf einem BauernhofIm Schutz des Zaunes halt.
Mit abgestutzten Flügeln schrittEin Kranich drin umher.Nur seine Sehnsucht trug ihn mitDen Brüdern über’s Meer;
Mit seinen Brüdern, deren ZugJetzt hoch in Lüften stockt,Und deren Schrei auch ihn zum FlugGen Süden ruft und lockt.
Und sieh, er hat sich aufgerafft,Es gilt ja Lenz und Glück;Umsonst, der Schwinge fehlt die Kraft,Und ach, er sinkt zurück.
Nur Hahn und Huhn zum SchabernackUmkrähn ihn jetzt voll Freud: –Es jubelt stets das HühnerpackBei eines Kranichs Leid.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 28–29, 1. Auflage, Carl Reimarus’ Verlag. W. Ernst., Berlin, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Kranich“, Fassung 3.027.259 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.