John Ruskin
Rudolf Lavant · 1844–1915
25 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1900
An dir hat England einen Sohn verloren,Der ein Gewalt’ger war im Reich der Geister,Als Künstler und Poet zugleich geboren,Der Kunstgeschichte anerkannter Meister.
Von eines Dichters heißem Zorn durchlodertUnd von dem tiefsten menschlichen Erbarmen,Hast mit beredtem Munde Du gefordertGerechtigkeit für die Enterbten, Armen.
Du sahst die Massen sich in Elend härmenUnd schwanktest feige nicht in der Entscheidung:„England betäubt sich an der Räder Lärmen,Sein Volk indessen, es entbehrt der Kleidung.
„England ist schwarz, wohin du blickst, von Kohlen,Die aus dem Schooß der Erde seine derben,Furchtlosen, blassen Grubenleute holen,Das Volk jedoch, es muß vor Kälte sterben.
„England verkaufte um Gewinnes wissenDie eigne Seele in unsel’gem Trachten,Das Volk jedoch kann nicht den Hunger stillenUnd sieht die Kinder hoffnungslos verschmachten.“
Als schönstes Denkmal wird man von Dir sagen:„Für Duldende vermocht’er zu erwarmen;Es hat ein Herz in seiner Brust geschlagenUnd dieses Herz gehörte uns, den Armen!“R.L.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der Wahre Jacob, J. H. W. Dietz, Stuttgart, 1900
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „John Ruskin (Lavant)“, Fassung 3.442.834 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.
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