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Versbuch

Die Greisin

Rainer Maria Rilke · 18751926

17 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1918

Weiße Freundinnen mitten im Heutelachen und horchen und planen für morgen;abseits erwägen gelassene Leutelangsam ihre besonderen Sorgen,

das Warum und das Wann und das Wie,und man hört sie sagen: Ich glaube —;aber in ihrer Spitzenhaubeist sie sicher, als wüßte sie,

daß sie sich irren, diese und alle.Und das Kinn, im Niederfalle,lehnt sich an die weiße Koralle,die den Schal zur Stirne stimmt.

Einmal aber, bei einem Gelache,holt sie aus springenden Lidern zwei wacheBlicke und zeigt diese harte Sache,wie man aus einem geheimen Facheschöne ererbte Steine nimmt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 97, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Greisin“, Fassung 3.510.455 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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