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Versbuch

Das Lied des Zwerges

Rainer Maria Rilke · 18751926

22 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1906

Meine Seele ist vielleicht grad und gut;aber mein Herz, mein verbogenes Blut,alles das, was mir wehe thut,kann sie nicht aufrecht tragen.Sie hat keinen Garten, sie hat kein Bett,sie hängt an meinem scharfen Skelettmit entsetztem Flügelschlagen.

Aus meinen Händen wird auch nichts mehr.Wie verkümmert sie sind, sieh her:zähe hüpfen sie, feucht und schwer,wie kleine Kröten nach Regen.Und das Andere an mir istabgetragen und alt und trist;warum zögert Gott auf den Mistalles das hinzulegen.

Ob er mir zürnt für mein Gesichtmit dem mürrischen Munde?Es war ja so oft bereit, ganz lichtund klar zu werden im Grunde;aber nichts kam ihm je so dichtwie die großen Hunde.Und die Hunde haben das nicht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Das Buch der Bilder 2. Buch Teil 12, S. 141, Zweite sehr vermehrte Auflage, Axel Junker Verlag, Berlin / Leipzig, Stuttgart, 1906
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das Lied des Zwerges“, Fassung 2.357.778 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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