Föhnsonette II
Paul Haller · 1882–1920
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1922
Die Nacht war bang wie Schlachtenwiderhall.Der Föhn spie rote Wetterleuchtgranaten.Der Dunst vom Sterben trauriger SoldatenDort unten schwoll herauf wie Wasserschwall.
Schon wieder spring ich auf. Von schweren TatenIst voll die Welt, und in mir sind sie all,Wie ich in ihnen. Meines Fensters KnallIst über mich wie Todesschreck geraten.
Ein Kind schreit auf im Blut. Wir wollen beten.Der stille Gott hat seinen Blick verkehrt,Uns alle in den roten Schlund zu treten.
Verflucht, wer heute noch das Schwert begehrt!Du, hilf uns freundlich aus den wilden Nöten,Eh’ wir des Lebens tiefsten Keim versehrt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 76, H. R. Sauerländer & Co., Aarau, 1922
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Föhnsonette II“, Fassung 2.308.401 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Paul Haller starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119041952 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.