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Versbuch

Spaziergang

Otto Ernst · 18621926

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Der Sturmwind springt mit rasendem SchwungÜber leuchtende Wiesen.Er packt die Eichen bei Wurzel und Ast,Die knarrenden Riesen.

Mir zum Triumph bestreut er den WegMit breiten Zweigen,Und hoch in Lüften spielt er mir aufMit juchzenden Geigen.

Die Erde klingt meinem harten TrittAuf schweigenden Wegen –Was ist mir noch an der lauen Welt,An mir selber gelegen?

Was ich gewesen, was ich gelebt,War Jammer und Schwäche.Mir spannt sich die Faust, auf daß ich den TandMit Fäusten zerbreche.

Ich wachse, ich steige, ich werde frei,Sturm werde mein Wille! –Mein Denken fliegt wie ein JubelschreiDurch die Winterstille.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 10, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Spaziergang (Otto Ernst)“, Fassung 1.623.308 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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