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Versbuch

Herbstentschluss

Nikolaus Lenau · 18021850

28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1834

Trübe Wolken, Herbstesluft,Einsam wandl’ ich meine Straßen,Welkes Laub, kein Vogel ruft –Ach, wie stille! wie verlassen!

Todeskühl der Winter naht.Wo sind, Wälder, eure Wonnen?Fluren, eurer vollen SaatGold’ne Wellen sind verronnen!

Es ist worden kühl und spät,Nebel auf der Wiese weidet,Durch die öden Haine wehtHeimweh; – Alles flieht und scheidet.

Herz, vernimmst du diesen KlangVon den felsentstürzten Bächen?Zeit gewesen wär’ es lang,Daß wir ernsthaft uns besprechen!

Herz, du hast dir selber oftWehgethan, und hast es Andern,Weil du hast geliebt, gehofft;Nun ist’s aus, wir müssen wandern!

Auf die Reise will ich festEin dich schließen und verwahren,Draußen mag ein linder WestOder Sturm vorüberfahren;

Daß wir unsern letzten GangSchweigsam wandeln und alleine,Daß auf unsern GrabeshangNiemand als der Regen weine!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 94–95, 2, J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1834
Digitalisat
de.wikisource.org — „Herbstentschluss“, Fassung 1.391.637 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Nikolaus Lenau starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118571508 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.