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Versbuch

Weihe zu den 1868 erschienenen Gedichten

Louise Otto-Peters · 18191895

40 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1893

Einst hab’ „des deutschen Mädchens Lieder“Ich Euch als ersten Gruß geweiht,Sie hallten wohl bei vielen wiederIn einer sturmbewegten Zeit.

In einer Zeit, drinn ohne WankenIch zu Euch stand, und sonder Scheu,Daß so in Thaten als GedankenAuch ich bewährt die alte Treu. –

Nun Jahr um Jahr ist hingeflossenSeit jener ersten Lieder Klang,Den, wie der Bäume frisches Sprossen,Geweckt des Lenzes Freiheitsdrang.

Und wieder möcht ich nun Euch bieten,Was in der Zeiten rascher FluchtDer Gott des Sanges mir beschieden,Wenn ich bei ihm nach Trost gesucht.

Nach Trost in schweren Prüfungstagen,Wenn alles wankte um und umUnd mich beschützte vor VerzagenAllein der Dichtung Heiligtum.

Da sang ich bald die eignen SchmerzenUnd bald des Vaterlandes Not,Entzündete noch Hoffnungskerzen,Wo Nacht und Elend nur gedroht.

Und ich betrat mit heil’gem AhnenDie Tempel der Natur und Kunst,Die an das Ewige uns mahnen,Geoffenbart durch Himmelsgunst.

Und grüßt’ ich froh die deutschen Lande.Und floh ich zur Vergangenheit –Mir ward ein Lied zum UnterpfandeFür deutscher Dichtung Ewigkeit.

Und dieser Lieder bunte Spende –Ihr Gleichgesinnten, nah und fern –Ich leg’ sie nun in Eure HändeMit froher Zuversicht und gern.

Mit Stolz, mich Euch verwandt zu finden,Die Ihr im Dienst der Menschheit ringt,Laßt diesen Liederkranz mich winden,Der meine Grüße zu Euch bringt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 260-261, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Weihe zu den 1868 erschienenen Gedichten“, Fassung 638.552 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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