Den deutschen Frauen
Louise Otto-Peters · 1819–1895
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Begeistrungsflammen nicht allein zu hüten,Nein, zu entzünden sei uns Ziel und Ruhm,Auch wo des Krieges blut’ge Waffen wütenHarrt unsrer noch ein Hohespriestertum.
Wir mögen schaudern und mit tausend SchmerzenDen holden Frieden plötzlich weichen sehen,Beklagen tief aus liebevollem Herzen,Daß Völker mordend sich genüber stehen.
Genüberstehn und Freunde, Gatten, SöhneDem Tode weihn in grauser Barbarei –Doch ziemen nicht allein uns Klagetöne,Auch ziemt uns nicht ein düstres Wehgeschrei.
Uns ziemt ein stilles, segensvolles Walten,Zu mildern, zu erleichtern Not und Tod;Des Mitleids Trost und Segen zu entfalten,Wo Tausenden nur Fluch und Rache droht.
Und überfällt uns jetzt das tiefste Grauen,Wir hoffen zu der Menschheit Heil und Ehr:Einst kommt die Zeit des Friedens und der Frauen,Dann giebt es nirgend solche Kämpfe mehr!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 269, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Den deutschen Frauen“, Fassung 3.468.715 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.