Die Jungfrau auf dem Lurlei
Louise Otto-Peters · 1819–1895
16 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Hoch obenauf dem Lurlei da sitzt die schönste MaidUnd zählt an Bernsteinperlen schon seit gar langer Zeit.
Sie steiget je zuweilen zum höchsten FelsenrandUnd singt zum Rheine nieder ihr Lied vom grünen Strand.
Dann windet sie sich Blumen um’s nasse LockenhauptUnd windet Herzen drunter, die sie den Schiffern raubt.
Die werden ganz bethöret und blicken nach ihr hin –Doch sitzt sie ewig ruhig mit ewig stillem Sinn.
Die gelben Bernsteinperlen, die haben Heil und Kraft,Die sind aus goldnen Thränen von süßer Leidenschaft.
Und wer dann eine findet, der wird davon gesund –Hei! hätt ich eine funden, ich würf sie in den Grund.
Wer möchte heil wohl werden von süßer Zauberei?Vom Liebeszauber sagen: „Nun ist der Wahn vorbei!“
O wer es sagen möchte, die Lurlei nie vernahmUnd nie aus seinem Herzen ein Liebesseufzer kam.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 18, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Jungfrau auf dem Lurlei“, Fassung 3.513.793 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.