Saxo-Borussen
Kurt Tucholsky · 1890–1935
27 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1929
Möchten Sie Saxo-Borusse sein?
Domela hat sie genau beschrieben:was sie auf ihrer Kneipe trieben –(Rülps)wie sie fechten, fressen und saufen,sich niemals ein Kollegheft kaufen –jeder ein hochfeudales Schwein …Ein feiner Verein.
Möchten Sie Saxo-Borusse sein?Ramsch … Manieren: frech und beflissen –„Werde zu Hause zu rühmen wissen!“(Rülps)Füchsegetriez und Chargenspiel;Ideal: der uralte Leutnantsstil …„Kein Bürjerlicher kommt hier zu uns rein –“Ein feiner Verein.
Möchten Sie Saxo-Borusse sein?Das ist gar nicht übel. Im Westen und Ostengehören ihnen die Botschafterposten –sie beherrschen Deutschland. Sie sind dran.Sie intriguieren. Mann für Mann.In Peking, in Rio und in Madrid:immer läuft ein Korpsband mit.Und mit diesem Korpsband zieht die Blaseein ganzes Volk an seiner Nase.Wir fressens aus. Sie brockens uns ein.Wer möcht da nicht Saxo-Borusse sein –!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Das Lächeln der Mona Lisa, S. 370, Rowohlt, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Saxo-Borussen“, Fassung 1.848.560 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.