Memento
Kurt Tucholsky · 1890–1935
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Uns Junge hat es umgerissen –Wir stehen draußen so im Feld,wir glaubten schon, zu halten und zu wissen –und da versank die ganze Welt.
„Die Welt ist falsch!“ Sie ist doch kein Exempel,wozu der Lehrer seine Lösung hat –sie ist real und warf uns alle Tempelund, was wir lieb gehabt, um – wie ein Kartenblatt.
Ihr mahnt den Jüngling, tapfer durchzuhalten.Gewiß, das scheint ja seine Pflicht –doch was da in ihm war vom Guten, Alten,das gibts in Zukunft alles nicht?
Der neue Wert, die neue Stufenleiter,der oben und der unten – seltsam Spiel:Hier gilt die Faust, der Säbel und der Reiter –das was wir ehren, gilt nicht viel.
Muß das so sein? So darfs nicht bis zur Neige,nicht bis zum Ende gehn. Wir bleiben rein.Wir halten durch – es scheint mir gar nicht feige:Soldat und doch ein Bürger sein!
Sprecht euerm Jungen von der Kriegertugend,doch davon auch, wenn hart der Panzer klirrt:Daß er den Träumen seiner Jugendsoll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 16, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Memento (Tucholsky)“, Fassung 3.779.576 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.