Der erste Mai
Kurt Tucholsky · 1890–1935
36 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1. Mai 1919
Von Theobald Tiger
Ich falle lyrisch in die Saiten,klim plum – es sprießt im Blumentopf.Der Lenz rumort in diesen Zeitenauch in dem ernsten Denkerkopf.Ists recht, wenn ich ein Liedlein quarre?So komm, du Trösterin, herbei,du buntbewimpelte Gitarre –am ersten Mai!
Der Tag, da jene bunte Rotteklim plum – voll Freuden Mordio schrie,scheint heute fern.Dem Rachegottebleibt treu die alte Kompagnie.Wer im August so sehr versessengewesen ist auf Kriegsgeschrei,den wollen wir doch nicht vergessenam ersten Mai!
Wir haben nun bei freien Eiernklim plum – den neuen Feiertag.Wir dürfen endlich jenen feiern,den nie kein guter Landrat mag.Doch müßt ihr stets Programme stammeln?Laßt uns, was auch gewesen sei,zu neuer Arbeit Kräfte sammelnam ersten Mai!
So horch, Auguste meiner Seele,wie süß mein Lied die Luft durchzieht!Was ich mir hier herunterquäle,kommt aus dem weichesten Gemid.Und was wir brauchen an Moneten,verdienst du mit der Filmerei –:So laß uns in die Ehe tretenam ersten Mai!Klim plum!Am ersten Mai!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 48. Nummer 18. Seite 62, Rudolf Mosse, Berlin, 1. Mai 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der erste Mai (Tucholsky)“, Fassung 3.083.634 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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