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Versbuch

Auf die Weltbühne

Kurt Tucholsky · 18901935

25 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 4. April 1918

Auf die Weltbühne von Theobald Tiger

Mein gutes Blatt! Wie hast du dich verändert!Den Musentempel schließt du beinah zu;mit Politik, Kunst, Wirtschaft dicht bebändert,so geht dein Vorhang auf: auch du, mein Kind, auch du?Du willst dich gleichfalls in den Strudel stürzen?Randstaaten? Westfront? Die Veränderungswahl?Nur eines kann mir meinen Kummer würzen:Es war einmal …

Es war einmal … da glaubten wir noch Beideam Kunst und an Kultur, an Menschentum –an deine ziegelrote Wand schrieb ich mit Kreidedie Namen meiner Lieben an zum Ruhm.Wir dachten: essen und organisierensind Selbstverständlichkeiten, tief im Tal –und auf den Bergen gehen wir spazieren …Es war einmal …

Du lieber Gott, wie hat sich das gewandelt!Wir schuften, bis dem Land die Schwarte knackt.Und kein Professor, der nicht gerne handeltmit weichem Klitschebrot, das er sich backt.Es war einmal … Glück auf zur neuen Reise!Eng wars einmal – heut bist du bunt und weit.Doch kehr’ noch manchmal dich zurück im Kreisezur alten Zeit!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Weltbühne. Jahrgang 14, Nummer 14, Seite 331, Verlag der Weltbühne, Berlin, 4. April 1918
Digitalisat
de.wikisource.org — „Auf die Weltbühne“, Fassung 4.467.247 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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