Die Dirne
Paul Boldt · 1885–1921
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1914
Die Zähne standen unbeteiligt, kühlGleich Fischen an den heißen Sommertagen.Sie hatte sie in sein Gesicht geschlagenUnd trank es — trank — entschlossen dies Gefühl
In sich zu halten, denn sie ward ein wenigWie früher Mädchen und erlitt Verführung;Er aber spürte bloß Berührung,Den Mund wie einen Muskel, mager, sehnig.
Und sollte glauben an ihr Offenbaren,Und sah, wie sie dann dastand — spiegelnackt —Das Falsche, das Frisierte an den Haaren;
Und unwillig auf ihren schlechten AktSchlug er das Licht aus, legte sich zu ihr,Mischend im Blut Entsetzen mit der Gier.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Junge Pferde! Junge Pferde! S. 24, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1914
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Dirne (Boldt)“, Fassung 3.488.082 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Paul Boldt starb 1921; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1991 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118661175 der Deutschen Nationalbibliothek.
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