Daniel Defoe
Karl Henckell · 1864–1929
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1921
Seht, da steht der Edle Pranger,Der satirische Dissenter,Daniel Defoe, der Dichter,Englands kühnster Journalist!
Highchurch läßt sich nicht verhöhnen,Highchurch klirrt mit Kerkerschlüsseln,Streicht den Schilling in den Beutel,Kneift den Halsring dreimal zu.
Dreimal Pranger, dreimal Schandmal!Marktwärts wimmeln Männer, Weiber,Kinder, Jungfraun, marktwärts wimmeltMassenweise Englands Volk.
Pfeifen ihm verfaulte Äpfel?Kot und Scherben, alte Schuhe?Speien schmutzige MegärenIhm den Auswurf ins Gesicht? –
Blumen schwirren, Kränze fliegen,Schleifen flattern, FestgirlandenSchlagen prangend ihn in Banden:„Heil dir, Daniel Defoe!“
Prangend ragt er an dem Pranger,Ehrenüberrankt am Schandpfahl,Seines Volkes BlütenliebeKränzt des Helden schnöde Schmach.
Übers Antlitz des GequältenZieht ein hoheitsvolles Lächeln –Unbemerkt entschleicht der MengeWinkelwärts ein schwarzer Wicht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gesammelte Werke, Band 2, S. 75–76, J. M. Müller, München, 1921
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Daniel Defoe (Karl Henckell)“, Fassung 1.610.281 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Karl Henckell starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118835289 der Deutschen Nationalbibliothek.
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