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Versbuch

Der rote Vogel

Karl Henckell · 18641929

21 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1921

Es kam ein roter VogelGeflogen von grauer See,Flog über die deutschen Lande,Da wurde der blutigen SchandeWeiß das Gesicht wie Schnee.

Da rauschte der rote VogelWohl über den höchsten Baum,Da stürzten mit einem MaleDie mächtigsten Generale,Geschlagen vom Flügelsaum.

Da fegte der rote VogelDie Tenne von Lug und Trug,Fegt Schlösser und Residenzen,Der Kaiser floh über die Grenzen,Ihm graust vor des Vogels Flug.

Da sang der rote Vogel,Was Nornenrat beschied ...Wie scharf er die Zeichen begriffen,Im Zorne den Schnabel geschliffen –Da sang der rote VogelSein deutsches Freiheitslied.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Karl Henckell: Gesammelte Werke Bd. 2 München 1921 S. 326, J. M. Müller, München, 1921
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der rote Vogel“, Fassung 3.780.429 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Henckell starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118835289 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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