Kennst du das Land, wo die Citronen blühn
Johann Wolfgang von Goethe · 1749–1832
20 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1911
Im grünen Laub die Gold-Orangen glühn,Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,Die Myrthe still und froh der Lorbeer steht,Kennst du es wohl?Dahin! DahinMöcht’ ich mit dir, o mein Gebieter, ziehn!
Kennst du das Haus, auf Säulen ruht sein Dach,Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,Und Marmor-Bilder stehn und sehn mich an:Was hat man dir, du armes Kind, gethan?Kennst du es wohl?Dahin! DahinMöcht’ ich mit dir, o mein Gebieter, ziehn!
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?Das Maulthier sucht im Nebel seinen Weg,In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut,Es stürzt der Fels und über ihn die Fluth:Kennst du ihn wohl?Dahin! DahinGeht unser Weg; Gebieter, laß uns ziehn!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Wilhelm Meisters theatralische Sendung, S. 207, Cotta, Stuttgart und Berlin, 1911
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kennst du das Land, wo die Citronen blühn“, Fassung 3.641.706 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Wolfgang von Goethe starb 1832; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1902 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118540238 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.