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Versbuch

Am Barren

Joachim Ringelnatz · 18831934

27 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1923

(Alla donna tedesca)

Deutsche Frau, dich ruft der Barrn,Denn dies trauliche GeländerFördert nicht nur Hirn und Harn,Sondern auch die Muskelbänder,Unterleib und Oberlippe.Sollst, das Hüftgelenk zu stählen,Dich im Knickstütz ihm vermählen.Deutsches Weib, komm: Kippe, Kippe!

Deutsche Frau, nun laß dich wiederEllengriffs im Schwimmhang nieder.So, nun Hackenschluß! Und schwinge!Schwinge! Hurtig rum den Leib!O, es gibt noch wundervolleDinge. Rolle vorwärts! Rolle!Rolle rückwärts, deutsches Weib!

Deutsche Jungfrau, weg das Armband!In die Hose! Aus dem Rocke!Aus dem Streckstütz in den Armstand,Nun die Flanke. Sehr gut! Danke!Deutsches Mädchen - Hocke, Hocke!

Mußt dich keck emanzipierenUnd mit kindlichem „Ätsch-Ätsche“Über Männer triumphieren,Mußt wie Bombe und KartätscheDeine Kräfte demonstrieren.Deutsches Mädchen – Grätsche! Grätsche!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Turngedichte, Kurt Wolff Verlag, München, 1923
Digitalisat
de.wikisource.org — „Am Barren“, Fassung 3.778.905 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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