...als eine Reihe von guten Tagen
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
27 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Wir wollen uns wieder mal zanken,Auf etwas hacken wie Raben,Daß unsre zufriednen GedankenEine Ablenkung haben.
Wir wollen irgendein harmloses WortEntstellen,Dann uns verleumden und zum TortEtwas tun; das schlägt dann Wellen.
Wir wollen dritte aufzuhetzenVersuchen,Dann unsere Freundschaft verfluchen,Einmal sogar ein Messer wetzen,Dann aber uns – in Blickweite –Auseinander zusammensetzen,Um superior jedem weiteren StreiteAuszuweichen;Mit dem Schwur beiseite:Uns nimmermehr zu vergleichen.
Dann wollen wir, jeder mit Ungeduld,Ein paar Nächte schlecht träumen,Dann heimlich eine gewisse SchuldDem anderen einräumen,Dann lächeln, dann seufzen, dann stöhnen,Dann plözlich uns gründlich bezechen,Dann von dem vergänglichen, wunderschönenLeben sprechen.
Und dann uns wieder einmal versöhnen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 164, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „...als eine Reihe von guten Tagen“, Fassung 3.026.810 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.