Zwei Frauen
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
20 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1910
Es sitzen im schwülen DämmerlichtZwei blühende FrauenUnd regen sich nicht.Sie schauen sich an und schauenUnd schauen mit sengender AugenglutIn sengende, glühende Augen,So tief, so wild, als gälte es BlutMit Blicken aus Blicken zu saugen.Da ringt unter wogenden BrüstenEin irres, fremdes GelüstenMit bangem, ruhlosen Leiden. – – – –Ein schillerndes, schuppiges SchlangengetierKriecht aus dem Dunkel in hastiger Gier,Schlingt seinen Leib um die BeidenUnd dehnt sich schleimig, duckt sich und spucktUnd bäumt sich lautlos und züngelt und zuckt.
Das ist die Schlange, vor der uns graut,Wenn uns ihr bannendes Auge trifft.Sie trägt ein langsam tötendes Gift,Aus unergründlichen Rätseln gebraut.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 39, 1. Auflage, Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist, München, Leipzig, 1910
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zwei Frauen (Ringelnatz)“, Fassung 2.543.646 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.