Wandle träumend jeder für sich
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
18 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1910
Meisters ViolinenklängeFührten mich aus der stieren MengeHoch in himmlische Fernen empor.Wo sich im rosigen WolkengehängeJeder menschliche Odem verlor,Grüßten mich Engel im lachenden Chor.Und auf weißem Schwanengefieder,Weich gebettet, fand ich mich wieder,Dort, wo die Träumenden glücklich sind.Köstlichen Weihrauch, Lorbeer und Flieder,Labend, lobend, liebend und lind,Brachte in duftigen Wogen der Wind.Und mein Mädchen, als ich erwachte,Frug mich verwundert, woran ich dachte,Daß mir so ganz ihre Nähe entwich.Doch ich küßte ihr Mündchen und lachteUnd ich log: „Ich dachte an Dich.“
Wandle träumend jeder für sich.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 9, 1. Auflage, Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist, München, Leipzig, 1910
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Wandle träumend jeder für sich“, Fassung 2.533.517 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.