Zum Inhalt springen
Versbuch

Während der Riesenwelle

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1920

Seht ihr mich? Und spürt ihr nicht den Wind,Den ich mache? Ja, das ist gefährlich!Aber mir, dem alten Seemann, sindRiesenwellen eben unentbehrlich.

Käme mir jetzt einer in die Speichen(Wär’ es auch ein Riese aus Granit),Würde er doch damit nur erreichen,Daß ich ihn in dünne Scheiben schnitt.

Aber nicht die Herstellung von ScheibenDenk ich mir als Lebenszweck. O nein!Eine Sägemühle möcht’ ich treiben,Möcht’ ein Schwungrad für Dynamo sein.

Wenn ich plötzlich jetzt die Hände strecke(Und ich habe ähnliches im Sinn),Ja dann – splittert augenblicks die Decke,Und der Wellenriese – ist dahin.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Turngedichte, Kurt Wolff Verlag, München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Während der Riesenwelle“, Fassung 2.357.650 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Joachim Ringelnatz

Alle Gedichte von Joachim Ringelnatz ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.