Sinnender Spatenstich
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
22 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1934
Unter der Erde murkst etwas,Unter der Erde auf Erden.Pitschert, drängelt. – Was will dasDing oder was wird aus dem Ding,Das doch in sich anfing, einmal werden??
Knolle, Puppe, Keim jeder ArtHält die Erde bewahrt,Um sie vorzubereitenFür neue Zeiten.
Die Erde, die so viel Gestorbenes deckt,Gibt dem Abfall, auch SonderlingenAsyl und Ruhe und Schlaf. Und erwecktSie streng pünktlich zu Zwiebeln, zu Schmetterlingen.Zu Quellen, zu Kohlen – – –
Unter der Erde murkst ein Ding,Irgendwas oder ein Engerling.Zappelt es? Tickt es? Erbebt es? –Aber eines Tages lebt es.Als turmaufkletternde Ranke,Als Autoöl, als Gedanke – – –
Fäule, Feuchtigkeit oder feiner HumorBringen immer wieder Leben hervor.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute S. 78–79, Ernst Rowohlt, Berlin, 1934
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sinnender Spatenstich“, Fassung 3.779.326 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.