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Versbuch

Sittlichkeitsdebatte

Joachim Ringelnatz · 18831934

18 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Ein Geruch und ein GestankHatten einen Zank.

„Ich lasse mich nicht,“ rief der Gestank,„Von deiner Süßlichkeit überschminken!“

„Mein Herr, sind sie denn riechnervenkrank?Merken sie gar nicht, wie sie stinken?“

„Was kümmert’s dich, du bisamischer Schuft?Bleib mir vom Leibe!“

„Nein, solch ein Stunk gehört an die Luft!Sie werden sehen, wie ich Sie vertreibe.“

„Du Lüftchen, ich werde dich gleich verschlucken!Dich scheint der Moschus am Nabel zu jucken.“

„Genug, mein Herr, ich merke, Sie sindKein Gent. ich spreche hier gegen den Wind.“ –

Es schwebten gerade zweiÄltere Damennasen vorbei.Sie wußten ihren Unmut zu zügeln,Rümpften und zitterten mit den Flügeln.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 119, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Sittlichkeitsdebatte“, Fassung 3.026.721 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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