Schöne Fraun mit schönen Katzen
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
48 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1929
Schöne Fraun und Katzen pflegenHäufig Freundschaft, wenn sie gleich sind,Weil sie weich sindUnd mit Grazie sich bewegen.
Weil sie leise sich verstehen,Weil sie selber leise gehen,Alles Plumpe oder LauteFliehen und als wohlgebauteWesen stets ein schönes Bild sind.
Unter sich sind sie Vertraute,Sie, die sonst unzähmbar wild sind.
Fell wie Samt und Haar wie Seide.Allverwöhnt. – Man meint, daß beideSich nach nichts, als danach sehnen,Sich auf Sofas schön zu dehnen.
Schöne Fraun mit schönen Katzen,Wem von ihnen man dann schmeichelt,Wen von ihnen man gar streichelt,Stets riskiert man, daß sie kratzen.
Denn sie haben meistens Mucken,Die zuletzt uns andre jucken.Weiß man recht, ob sie im HellenEcht sind oder sich verstellen?
Weiß man, wenn sie tief sich ducken,Ob das nicht zum Sprung geschieht?Aber abends, nachts, im Dunkeln,Wenn dann ihre Augen funkeln,Weiß man alles oder fliehtVor den Funken, die sie stieben.
Doch man soll nicht Fraun, die ihreSchönen Katzen wirklich lieben,Menschen überhaupt, die TiereLieben, dieserhalb verdammen.
Sind Verliebte auch wie Flammen,Zu- und ineinander passend,Alles Fremde aber hassend.
Ob sie anders oder so sind,Ob sie männlich, feminin sind,Ob sie traurig oder froh sind,Aus Madrid oder Berlin sind,Ob sie schwarz, ob gelb, ob grau, –
Auch wer weder Katz noch FrauSchätzt, wird Katzen gern mit Frauen,Wenn sie beide schön sind, schauen.
Doch begegnen RingelnatzenHäßlich alte Fraun mit Katzen,Geht er schnell drei Schritt zurück.Denn er sagt: Das bringt kein Glück.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Schöne Fraun mit schönen Katzen“, Fassung 3.779.682 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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